Beratung erhöht die Erfolgsaussichten von Förderanträgen

Was bringt die Unterstützung durch eine Fördermittelberatung?
PFIF-Blog - 20.1.2020

Eine Evaluation des Zentralen Innovationsprogramms Mittelstand (ZIM) liefert konkrete Zahlen und Aussagen zu den Vorteilen einer professionellen Förderberatung.

Ministerien und Projektträger weisen immer wieder darauf hin, dass man Förderanträge als Unternehmen selbst – ohne die Unterstützung durch Beratungsfirmen – stellen kann und sollte. Teilweise wird sogar entsprechender Druck auf die Unternehmen ausgewirkt, insbesondere wenn es um private, nicht-öffentliche Beratungsfirmen geht. Interessant ist es da, sich aus Unternehmenssicht genauer anzuschauen, was die Unterstützung durch Berater_innen bringt, zumal die Beauftragung natürlich mit zusätzlichen Kosten verbunden ist, die nicht aus den Förderbeträgen bezahlt werden können.

Interessante Informationen hierzu liefert eine Studie, die im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) durch ein neutrales österreichisches Institut (KMU Forschung Austria) zum Zentralen Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) erstellt und im Juli 2019 vorgelegt wurde (siehe Evaluation des Zentralen Innovationsprogramms Mittelstand).

Neben der Analyse der Wirksamkeit des Förderprogramms zur Unterstützung von Innovationen in Unternehmen, wurden hier auch die Leistungen von Förderberater_innen genauer betrachtet (Kapitel 4.7). Die Analyse bezog sich dabei auf Informationen, die seit 2017 von den Projektträgern zur Inanspruchnahme von Beratungsleistungen in den Förderanträgen erhoben wurden (Pflichtangabe im Antrag).

Demnach wurden in diesem Zeitraum bei 1.900 Projektanträgen Berater_innen eingesetzt. Dies entspricht über die Gesamtzahl aller Anträge 24,6 % aller Projektanträge (im Jahr 2017) bzw. 32,4 % im ersten Halbjahr 2018. Beratungsleistungen werden insbesondere von Unternehmen (rund 35 % der Projekte) aber auch von Forschungseinrichtungen (13 % der Projektanträge) beauftragt. In Einzelprojekten (58 %) und in Kooperationsprojekten zwischen Unternehmen (46 %) ist der Anteil der mit Berater_innen-Unterstützung durchgeführten Projekte noch höher. Die Analyse zeigt weiterhin, dass vor allem größere Unternehmen auf Berater_innen setzen und ältere Unternehmen häufiger als jüngere Unternehmen.

In Unternehmensbefragungen zeigten sich noch etwas höhere Werte zur Beauftragung (evtl. haben nicht alle Unternehmen die Berater_innen im Antrag ausgewiesen?). Hier geben sogar 55 % der rückmeldenden Unternehmen an, eine Unternehmens- bzw. Förderberatung beansprucht zu haben. Auffällig sind hierbei auch große Unterschiede zwischen West- und Ostdeutschland: In Westdeutschland werden erwartungsgemäß wesentlich häufiger Berater_innen beauftragt – wahrscheinlich, da eine Förderung für ostdeutsche Unternehmen immer noch einfacher erreichbar ist.

Die Beratungshonorare basieren oft auf einer Erfolgsvergütung mit sehr unterschiedlichem Prozentsatz bezogen auf die Förderung, in Abhängigkeit des gebotenen Service.

 

 Die Studie zeigt folgende Effekte durch die Einbindung von Beratern_innen:

  • Die Wahrscheinlichkeit der Bewilligung eines ZIM-Förderantrags steigt signifikant durch den Einsatz von Berater_innen und liegt rund 10 % über jenen Anträgen, die ohne Berater_in ausgearbeitet und eingereicht wurden.
  • Die größte Wirkung zeigt sich bei Unternehmen unter 10 Mitarbeiter_innen: Hier steigt die Bewilligungsquote von 49 % auf beinahe 63 %. Bei Universitäts- und Hochschulinstituten von 65 % auf 78 %.
  • In der Projektform KU-Projekte, d. h. Kooperationsprojekten zwischen Unternehmen, erhöht sich die Bewilligungsquote von 50 % auf 75 %.
  • Wenn Unternehmen oder Forschungseinrichtungen zum ersten Mal einen Antrag stellen, steigt die Wahrscheinlichkeit der Bewilligung durch die Beteiligung eines Beratungsunternehmens um rund 11 %.
  • Manche Berater_innen erreichen eine Erfolgsquote von 100 %.

Weiterhin zeigt die Studie, dass die Unternehmen insgesamt sehr zufrieden mit den Leistungen der Berater_innen sind. Über alle Projektformen hinweg bewerten rund 67 % deren Leistung als „sehr zufriedenstellend“ und weitere 24 % bis 29 % als „eher zufriedenstellend“. Kleine und mittlere Unternehmen sind sogar zu 97 % „sehr oder eher zufrieden“. Bei Kleinstunternehmen liegt dieser Wert mit 88 % etwas niedriger.

Fazit der Autoren der Studie ist, dass Unternehmen mit der Einbindung von Förderberater_innen die Wahrscheinlichkeit einer Bewilligung der Förderanträge erhöhen und etwaige interne Engpässe (zeitlich, Know-how) vermeiden können. Weiterhin reduzieren die Unternehmen die Antragskosten: Zwar entstehen durch die Honorare zusätzliche Kosten, durch den reduzierten internen Aufwand und die mögliche Vermeidung eines neuen Antrags zahlt sich das jedoch aus.

Die private Förderberatung nimmt somit aus Sicht der Gutachter_in, solange eine Förderung für die Unternehmen mit einem Antragsverfahren verbunden ist, eine relevante und teils unvermeidbare Rolle ein. Erfahrungen aus Österreich zeigen weiterhin, dass die Beratung gerade im Zusammenhang mit einer steuerlichen Forschungsförderung noch an Bedeutung gewinnt.

Weiterhin zeigt die Studie, dass die Berater_innen sehr unterschiedliche Ergebnisse liefern, sodass nicht nur entscheidend ist, ob eine Beratungsfirma beauftragt wird, sondern auch welche. Leider gibt es bislang keine neutralen Prüfstellen, sodass nur die Prüfung von Erfahrungen und Referenzen bleibt. Orientierung kann die Autorisierung der Berater_innen durch das BMWi im Programm go-inno oder auch eine Initiative mehrerer Beratungsunternehmen zur Festlegung von Qualitätsstandards im Rahmen des dti-Verbandes sein.

 

Gerne prüfen wir in einer kostenfreien Erstanalyse Ihre Projektideen und unterstützen Sie bei der Auswahl und Beantragung der für Ihr Unternehmen und Forschungsvorhaben optimalen Fördermöglichkeit.

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