Vergleich der angekündigten steuerlichen Förderung mit der bisherigen Zuschussförderung

Vor- und Nachteile steuerlicher FuE-Förderung
PFIF-Blog - 24.9.2019

Welche Vor- und Nachteile hat die erwartete steuerliche Förderung von Forschung und Entwicklung im Vergleich zu den bekannten Zuschüssen?

Was ist anders bei der angekündigten steuerlichen Förderung?

Die steuerliche Förderung von Forschung und Entwicklung in Unternehmen ist lange angekündigt (siehe dazu auch vorherige Artikel in unseren News). Das Gesetz ist vom Bundeskabinett verabschiedet, befindet sich aktuell aber noch in der Abstimmung mit dem Bundesrat. Politisch vor dem Hintergrund der sich abflauenden Konjunktur und dem internationalen Standortwettbewerb versprochen, scheint es nur noch eine Frage von wenigen Wochen bis das Gesetz in Kraft tritt. Dann können Entwicklungskosten für eigenes Personal in Unternehmen ab 01.01.2020 geltend gemacht werden, um Rückzahlungen aus der Lohnsteuer zu erhalten.

Für Deutschland hat diese steuerliche Förderung im Vergleich zur bisherigen Zuschuss-Förderung einige revolutionäre Neuheiten in den geplanten Regelungen. Diese führen zu diversen Vorteilen aber auch Nachteilen, so dass es sich lohnt, die geplanten Änderungen näher zu betrachten: Wo liegen die Unterschiede?

 

Worin bestehen die Vor- und Nachteile im Vergleich zur bisherigen Förderung?

In der nachfolgenden Tabelle haben wir die wesentlichen Unterschiede, die sich aus dem aktuellen Entwurf des sogenannten Forschungszulagengesetz ergeben (siehe http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/19/109/1910940.pdf bzw. https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2019/kw26-de-forschungszulagengesetz-646314) der bisherigen Förderung gegenübergestellt. Rot verdeutlicht dabei die nach unserer Erfahrung im Vergleich beider Varianten bestehenden Nachteile und Grün die Vorteile (schwarz neutral).

Zuschüsse / bisherige Förderung

Erwartete steuerliche Förderung

Muss vor Projektbeginn beantragt werden

Kann nach Abschluss des Geschäftsjahres rückwirkend für laufende bzw. abgeschlossene FuE-Projekte beantragt werden.

Projektstart frühestens nach Antragstellung, oft erst nach Bewilligung (kann 6-12 Monate dauern)

Projektstart jederzeit (aber nach der Verabschiedung des Gesetzes!)

Anträge sind teilweise mehrstufig (zunächst Skizze und Vorbegutachtung, dann Antrag) und können leicht 30-100 Seiten Umfang umfassen (hoher Aufwand!)

Anträge sollen inhaltlich sehr knapp sein (nur eine kurze Zusammenfassung pro Projekt)

Antrag immer für ein Projekt

Mehrere Projekte (separate kurze Anträge) sind im Rahmen der max. Fördersumme pro Firma und Wirtschaftsjahr möglich

Zuschüsse gelten steuerlich als außergewöhnlicher Ertrag und müssen (bei Gewinn der Firma) als solcher versteuert werden

Nicht zu versteuern -> Steuerfreie Zulage

Technisch/inhaltlicher Anspruch an die Projekte ist sehr hoch (Innovationshöhe, technische Risiken)

Innovationshöhe voraussichtlich niedriger als bei Zuschüssen

Nur für eigene, nicht durch Aufträge finanzierte Kosten möglich

Auch für Auftragsentwicklungen, d.h. vom Kunden bezahlte Entwicklungen

Bewilligung nach verfügbaren Mitteln - oft starkes Auswahlverfahren mit hohen Ablehnungsquoten

Rechtsanspruch (fraglich ist noch, wie dieser vor dem Hintergrund verfügbarer Mittel gehandhabt wird)

Bewilligung immer für die Laufzeit des Projektes

Zertifikat gilt für die Förderfähigkeit des/der Projekte/s über mehrere Jahre, Abrechnung muss jährlich neu erfolgen

Anträge umfassen die Projektkosten, d.h. neben Personalkosten meist auch sonstige Kosten, wie Gemeinkosten, Reisekosten, Unteraufträge, Material usw. (bzw. teilweise pauschaliert)

Nur für Personalkosten inkl. kleinem Aufschlag (20%) für Lohnnebenkosten

Zuschuss meist zwischen 25 - 60% der Kosten und damit für das gleiche Projekt deutlich höher

Zulage nur auf 25% der Personalkosten und ist damit für das gleiche Projekt deutlich niedriger. Die Zulage reduziert somit de facto den Stundensatz für Entwicklungsleistungen.

Der Bescheid gibt Sicherheit für die gesamte bewilligte Fördersumme. Die Fördersumme kann dabei auch deutlich höher als 500.000 € sein

Die Förderung soll zunächst auf 4 Jahre befristet werden. Die Maximalsumme von 500.000 €/a wird erst bei FuE-Personalkosten von 2 Mio. € pro Jahr erreicht und somit wohl nur von größeren Unternehmen erreicht werden.

Die Fördermittel werden (nach Bewilligung) i.d.R. quartalsweise ausbezahlt und stehen damit zeitnah im Projektverlauf zur Verfügung.

Die Zulage wird erst nach Abschluss des Geschäftsjahres (und Vorlage des Jahresabschlusses?) ausbezahlt. Damit steht sie dem Unternehmen erst deutlich verzögert - beispielsweise für weitere Investitionen in FuE - bereit.

Oft für eine bestimmte Zielsetzung der Projekte oder Unternehmensgröße (KMU-Förderung) begrenzt.

Thematisch komplett offen, Unternehmensgröße egal, daher kommen auch Unternehmen in den Genuss der Förderung, die für die bisherige Förderung zu groß (für KMU-Programme) oder zu klein sind (für aufwendige Verbundprojekte)

Kostenerfassung der Entwicklungsleistungen in Form von Stundenerfassungen (oft gemäß spezieller Vorgaben), bzw. Rechnungsbelege und Zahlungsnachweise

Kostenerfassung nur über Personalstunden (und Bruttogehälter) voraussichtlich nach internen Dokumentationen möglich

Bonitätsprüfung kann für kleine Unternehmen und Start-ups problematisch sein und zu Ablehnungen führen

Voraussichtlich keine Bonitätsprüfung, Zahlung aus der bereits abgeführten Lohnsteuer

Risiko der Mittelrückzahlung bei späteren Projektprüfungen durch neutrale Preisprüfer (v.a. bei größeren BMBF-Projekten)

Kaum Risiken der Rückzahlung (bei korrekter Beantragung und Abrechnung)

 

Diese Aufstellung ist sicherlich nicht vollständig und bezieht sich auf den aktuellen Gesetzesentwurf – viele Details hängen somit noch an der endgültigen Formulierung des Gesetzes. Der Text ist aktuell noch im Fokus und Beschuss diverser Lobbygruppen, so dass noch Änderungen möglich sind. Man kann gespannt sein, was diese Gruppen noch an „Nachbesserungen“ durchsetzen.

Auf den ersten Blick scheinen aktuell die Vorteile bei der steuerlichen Förderung zu überwiegen. Dies bekräftigt zunächst unsere Einschätzung als „Revolution im Bereich der FuE-Förderung“. Es lohnt sich jedoch ein genauer Blick auf die einzelnen Punkte: Zwar sind eine Vereinfachung der Antragstellung, Steuerfreiheit der Zulagen, Erweiterung der Zielgruppe und profitierenden Unternehmen, rückwirkende Beantragung usw. zu begrüßen und sicher auch wichtige Punkte für die Auswahl einer Förderung, entscheidend ist jedoch im Einzelfall vor allem die Frage „Welche Förderung bringt für das jeweilige Projekt mehr Unterstützung?“ und „Wann stehen mir die Mittel zur Verfügung?“). Hier zeigt unser Vergleich für ein beispielhaftes Projekt zum Programm ZIM (siehe https://www.pfif.net/news-aktuelles/pfif-news/steuerliche-foerderung-als-neues-modell-fuer-deutschland) deutliche Vorteile der Zuschussförderung.

Deshalb muss die Antwort auf die Frage nach der richtigen Förderung „sowohl als auch“ lauten: Beide Förderungen – wo möglich (für ein Unternehmen, nicht Projekt) – zu nutzen, wird die entscheidenden Wettbewerbsvorteile bringen. Also zunächst und vor Projektbeginn zu prüfen, ob ein Zuschuss in Frage kommt und diesen zu beantragen wo sinnvoll, wird in den meisten Fällen der beste Weg sein. Für FuE-Projekte, die nicht mit Zuschüssen gefördert werden können oder sich aus anderen Gründen eine Förderung ausschließt (Stichwort „Veröffentlichungen“), kann dann eine steuerliche Förderung der richtige Weg sein.

Eine genaue Analyse bzw. qualifizierte Beratung durch erfahrene, auf FuE-Förderung spezialisierte Berater ist somit in jedem Fall ein Erfolgsfaktor, um die optimale Finanzierung für die anstehenden bzw. laufenden Projekte zu erhalten, die Erfolgsaussichten zu verbessern und für eine korrekte Abwicklung zu sorgen.

Bei Fragen zur erwarteten steuerlichen Förderung bzw. wichtiger Maßnahmen zur Vorbereitung darauf sprechen Sie uns bitte an. Unsere Erstberatungen und Förderanalysen sind kostenlos.

 

Ihr Ansprechpartner: Michael Zahm

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