Steuerliche Forschungsförderung nimmt Hürde im Kabinett

Steuerliche Forschungsförderung nimmt Hürde im Kabinett
PFIF-Blog - 9.8.2019

Das Bundeskabinett stimmt neben der klassischen Projektförderung der steuerlichen Förderung von Forschungsprojekten in innovativen Unternehmen zu.

 

Was Sie jetzt wissen müssen!

Verabschiedet auch der Bundestag das Gesetz, können Unternehmen jeder Größenordnung 25 % ihrer Personalkosten für Forschungs- und Entwicklungsprojekte steuerlich geltend machen. Eine Steuerrückzahlung (aus Lohnsteuer) von 500.000,- € pro Unternehmen und Jahr sind möglich. Ersetzt die steuerliche Förderung damit die klassische Projektförderung? Und wer profitiert von der neuen Förderung?

 

Eine Analyse des aktuellen Gesetzesentwurfs:

Die bisherige Zuschussförderung für Forschungsprojekte zeichnet sich überwiegend durch themenspezifische, zeitlich begrenzte und eng budgetierte Projektförderaufrufe aus, auf die sich vielfach Projektkonsortien bewerben können. Nicht jedes Projekt ist passgenau zugeschnitten auf die jeweiligen Aufrufe und der Wettbewerb um das Budget ist groß. Außerdem muss die Förderung immer vor Projektstart beantragt werden.

  • Ersetzt die steuerliche Förderung die Projektförderung? Antwort: Nein, denn es können in klassischen Projektförderungen deutlich höhere Zuschussquoten von bis zu 70 % beantragt und mehr Kostenblöcke (bspw. Materialkosten) angesetzt werden. Neben den zeitlich begrenzten Projektaufrufen gibt es zudem themenunabhängige Zuschussprogramme, bei denen dauerhaft eingereicht werden kann. Zudem ist die Zuschusshöhe in klassischen Projektförderungen nicht gedeckelt. Die steuerliche Förderung konzentriert sich auf die Personalkosten, konkreter den Arbeitslohn, den der Arbeitnehmer erhält. Größter Unterschied ist die Beantragung der steuerlichen Förderung für im aktuellen Jahr laufende oder abgeschlossene Projekte.

Damit stellt sich unweigerlich die Frage, welches Projekt für die steuerliche Förderung oder die Projektförderung geeignet ist.

  • Können für dasselbe Projekt sowohl Projekt-, als auch steuerliche Förderungen beantragt werden? Antwort: Nein, denn auch hier gilt das Doppelförderungsverbot. Es sollte daher vorher genau geprüft werden, welche Förderung für das angedachte Projekt am geeignetsten ist. Es ist jedoch beispielsweise möglich, abgelehnte Projektförderungen in der steuerlichen Förderung zu beantragen, wenn die Projekte nach Inkrafttreten des Gesetzes gestartet wurden.
  • Wie innovativ müssen meine Projekte sein, damit sie steuerlich geltend gemacht werden können? Antwort: Das Vorhaben muss entweder der Grundlagenforschung, der angewandten Forschung oder der experimentellen Entwicklung zugeordnet werden können. Der Innovationsanspruch wird nach Erfahrungen aus anderen Ländern eher niedriger als in der Projektförderung sein. Aber einfache Konstruktionen zur Optimierung des Designs eines Produktes oder zur Verbesserung der Marktgängigkeit sind voraussichtlich nicht förderfähig, da der schöpferische Aspekt im Sinne einer Forschung fehlt. Die Definitionsgrenzen sind in der Praxis nicht immer eindeutig, sodass hier Vorsicht geboten ist.
  • Bisher haben wir keine Projektförderung bekommen. Haben wir dann überhaupt eine Chance in der steuerlichen Förderung? Antwort: Ja, denn es können Projekte, die bislang nicht in die Projektförderung gepasst haben oder im harten Auswahlverfahren abgelehnt wurden, in der steuerlichen Förderung durchaus gefördert werden. Dadurch werden deutlich mehr Firmen in den Genuss von Fördermitteln kommen als bisher!

Analog wie bei der klassischen Projektförderung sind auch bei der steuerlichen Förderung formale Vorgaben zu beachten.

  • Bekomme ich die Steuererleichterung automatisch? Antwort: Nein, denn es muss zunächst je ein Antrag zur Anerkennung der jeweiligen Projekte und mit diesem Dokument dann nach Ablauf des Geschäftsjahres beim Finanzamt ein Antrag zur Kostenanerkennung gestellt werden. Zudem müssen die Projektkosten rekapitulierbar dokumentiert und zu anderen geförderten Projekten abgegrenzt werden können.
  • Dabei hilft mir doch sicherlich der Steuerberater? Antwort: „Jain“, Steuerberater können sicher das zusätzliche Formblatt für den Erhalt der Zulage beim Finanzamt für Sie erstellen und einreichen, benötigen aber dazu die Auswahl und Bescheinigung der förderfähigen Projekte sowie die Kostenermittlung in den einzelnen Projekten von Ihnen.

Zusammengefasst entsteht durch die zusätzliche Förderung eine Chance für viele Unternehmen deren Forschungsaufwendungen erstmalig geltend zu machen, da sie bislang aus verschiedenen Gründen nicht in die thematischen Ausschreibungen gepasst haben. Diejenigen, die bereits eine Projektförderung erhalten, können diese durch die steuerliche Förderung erweitern. Die klassische Projektförderung bleibt aufgrund der hohen Förderquoten jedoch das primäre Instrument für High-Tech Forschungsprojekte. Interessant könnte die Nutzung der steuerlichen Förderung für abgelehnte Projektförderungsanträge sein.

Eine qualifizierte Förderberatung ist somit auch hier ein erheblicher Erfolgsfaktor, damit Sie eine optimale Finanzierung für Ihre Projekte erhalten, Ihre Erfolgsaussichten und den Umfang der Förderung optimieren sowie Rückforderungen oder gar Doppelförderung vermeiden.

Zwar ist die Gesetzgebung noch im Gange, allerdings können Sie Ihre Zugangsberechtigung auf Basis des Gesetzesentwurfes schon jetzt mit uns besprechen, sodass wir gemeinsam eine Strategie für Ihre Forschungsthemen 2020/2021 erstellen können.

 

Sprechen Sie uns an, wenn Sie Unterstützung in Förderprojekten suchen

Eine Analyse ist bei uns kostenlos und selbstverständlich streng vertraulich.

Ihr Ansprechpartner: Manuel Vetter

Weitere PFIF-News

Erfahren Sie immer die aktuellsten Informationen zu Fördermittel- & Finanzierungsmöglichkeiten.

Vergleich der angekündigten steuerlichen Förderung mit der ...

Welche Vor- und Nachteile hat die erwartete steuerliche Förderung von Forschung und Entwicklung im Vergleich zu den bekannten Zuschüssen?

weiterlesen

Vortrag zur Innovationsförderung von Herrn Dr. Stöhr bei der KMU ...

Im Rahmen des 2. Business-Frühstücks der KMU Zentrale am 21. November (Motto „Austausch von und für Geschäftsführer“)  ...

weiterlesen

Diese Webseite verwendet Cookies. Indem Sie unsere Website nutzen, stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu.