Vorteile der geplanten steuerlichen Förderung von FuE

Vorteile geplante steuerliche Förderung von Forschung und Entwicklung
PFIF-Blog - 24.6.2019

Die Verabschiedung des Gesetzes ist auf Mitte des Jahres vorgesehen.

 

Für wen hat die geplante steuerliche Förderung von Forschung und Entwicklung Vorteile?

Nach vielen Jahren der Vorbereitung, dem Kampf der verschiedenen Lobbyverbände und Versprechungen der Regierungsparteien in mehreren Koalitionsverträgen, soll sie nun zum 1. Januar 2020 auch in Deutschland kommen – die steuerliche Förderung von Personalkosten für Forschung und Entwicklung in Unternehmen.

Ziel ist es, die Innovationskraft der deutschen Wirtschaft weiter anzukurbeln und so die Standortsicherung im internationalen Wettbewerb zu betreiben – fast alle europäischen Länder haben schließlich schon eine vergleichbare Förderung.

Der Gesetzesentwurf steht bereits seit Mitte April, das Gesetz zur steuerlichen Förderung soll Mitte 2019 verabschiedet werden. Dabei sind insgesamt fünf Milliarden Euro Steuergelder in den Jahren 2021 bis 2024 eingeplant.

Laut Referentenentwurf soll die neue Förderung vor allem kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) zugutekommen.

 

Auf Basis unserer umfangreichen Beratungserfahrung in der FuE-Förderung haben wir den aktuellen Gesetzesentwurf hinsichtlich seiner Vor- und Nachteile aus Unternehmenssicht analysiert:

 

Wofür gibt es Fördermittel?

Voraussetzung ist zunächst, dass die Arbeiten mit eigenem, im Unternehmen angestellten Personal durchgeführt werden – Kosten für Unteraufträge sollen nicht gefördert werden. Die geförderten Projekte müssen den Kategorien

  • Grundlagenforschung,
  • industrieller Forschung oder
  • vorwettbewerblicher Entwicklung

zugeordnet sein.

Marktnahe Entwicklungen sind ausgeschlossen – gerade diese sind jedoch in KMU üblich. Eine entsprechende Abgrenzung ist somit notwendig. Für den Nachweis dieser Zuordnung muss eine Bescheinigung vorgelegt werden. Das Antragsverfahren hierzu ist noch nicht präzisiert. Eine dafür zuständige Behörde (ein so genannter Projektträger) wird noch benannt.

Die in der steuerlichen Förderung abgerechneten Kosten dürfen nicht noch einmal (bzw. nicht bereits) in anderen Förderungen, beispielsweise Zuschussprogrammen, geltend gemacht werden. Daher muss in Abhängigkeit vom jeweiligen Förderprogramm geprüft werden, ob eine Kumulierung möglich bzw. vor- oder nachteilhaft ist.

Bei den berechtigten Projekten werden die lohnsteuerpflichtigen Bruttolöhne/-gehälter, inklusive eines Zuschlags von 20 % für Lohnnebenkosten, mit 25 % gefördert. Die Abrechnung soll jeweils nach Abschluss des Wirtschaftsjahres beim zuständigen Finanzamt erfolgen. Maximal können zwei Millionen Euro pro Jahr und Unternehmen als Kosten geltend und somit 500.000 Euro Förderung ausgezahlt werden.

 

Welche Vor- und Nachteile bestehen im Vergleich zur bisherigen FuE-Förderung?

Zunächst soll die bisherige Förderung in Form von Zuschüssen beibehalten werden. Die steuerliche Förderung wird somit zusätzlich eingeführt.

Geplant ist die Einstufung als steuerfreie Zulage. D. h. anders als Zuschüsse unterliegen diese nicht der Besteuerung als außergewöhnlicher Ertrag. Bei Zuschüssen fließt dadurch ein großer Teil wieder als Gewinnsteuer an den Staat zurück. Die steuerliche Förderung käme somit dem Unternehmen mit dem kompletten Auszahlungsbetrag zugute. Zuschüsse sind zwar oft höher (bis zu 60 % der Kosten) und mit höheren Gemeinkostenzuschlägen beaufschlagt, durch die Besteuerung schmilzt dieser Vorteil jedoch oft sehr stark. Die steuerliche Förderung wäre dadurch (in Projekten mit überwiegend Personalkosten) vor allem für Firmen interessant, die Gewinne erzielen und nur einen niedrigen prozentualen Zuschuss aufgrund ihrer Unternehmensgröße oder der Mittelverteilung in Kooperationsprojekten erhalten.

Nachteile der steuerlichen Förderung im Vergleich zu Zuschüssen bestehen somit, wenn die Firma einen deutlich höheren prozentualen Zuschuss, hohe Gemeinkostenzuschläge bzw. eine Förderung für weitere Kosten und Kooperationspartner (vor allem auch Institute) erhalten kann.

Ein weiterer Vorteil der steuerlichen Förderung ist, dass auch Projekte, die im Auftrag von Dritten durchgeführt werden (so genannte Auftragsentwicklungen) gefördert werden können. Derartige Projekte sind bei Zuschüssen in der Regel ausgeschlossen.

Vorteilhaft ist sicher auch, dass eine Beantragung der Zulage jährlich nach Projektstart möglich ist. Es muss also nicht, wie bei vielen Zuschussprogrammen, auf eine Bewilligung gewartet werden, um mit den Arbeiten zu starten. Somit könnten auch Projekte, für die ein Zuschuss abgelehnt wurde, in die steuerliche Förderung fallen.

Interessant ist zudem, dass auf die steuerliche Förderung – bei entsprechender Einstufung des Projektes und Kostenerfassung – ein Rechtsanspruch bestehen soll. Hierdurch kann jedoch nach unserer Einschätzung der geplante Haushalt von fünf Milliarden Euro schnell überschritten werden oder die Begutachtung wird entsprechend selektiv.

 

Für wen macht die steuerliche Förderung Sinn?

Damit sich der Aufwand für die Beantragung, spezielle Kostenerfassung und Abrechnung rentiert, muss ein Auszahlungsbetrag zustande kommen, der sich für das jeweilige Unternehmen und die Prüfstellen lohnt. Aktuell ist hierfür keine Bagatellgrenze genannt. In der Praxis sollten die Förderbeträge jedoch sicher mindestens fünfstellig sein.

Hierzu ist es notwendig, dass die Projekte mit einem größeren Personalaufwand bearbeitet werden – ähnlich wie bei der Projektförderung sollte nach unserer Erfahrung mindestens ein Mitarbeiter pro Jahr zu 100 % (bzw. mehrere entsprechend anteilig) am Projekt arbeiten.  

In der steuerlichen Förderung ist der notwendige Bearbeitungsaufwand eher noch deutlich höher anzusetzen (ab zehn Mitarbeiter in Forschung und Entwicklung).

Um die maximale Förderung von 500.000 Euro zu erhalten, sind enorm hohe Personalleistungen notwendig, d. h. Firmen mit eigenen FuE-Abteilungen mit vielen Angestellten und mehreren Projekten. Somit wird die Förderung vor allem größeren Unternehmen und Konzernen zugutekommen. Kleinere mittelständische Firmen werden kaum davon profitieren, es sei denn, sie haben einen extrem hohen FuE-Aufwand, wie innovative Start-ups oder Technologiefirmen.

Interessant wird die geplante FuE-Zulage auch für Auftragsentwickler und größere mittelständische Unternehmen.

Gerade Firmen, die aufgrund ihres erfolgreichen Wachstums in den letzten Jahren die Schwellenwerte der EU-KMU-Definition überschritten haben, d. h. mehr als 250 Mitarbeiter beschäftigen, könnten von dieser neuen Förderung profitieren. Diese Unternehmen (zwischen 400 bis 3.000 Mitarbeiter) sind oft zu groß für die typische Mittelstandsförderung wie ZIM und zu klein für die Projektförderung, bei denen sie in Ausschreibungen mit Firmen der Großindustrie konkurrieren. Sie erhalten deshalb bisher vergleichsweise wenig Fördermittel aus öffentlichen Töpfen für ihre FuE-Kosten und könnten daher einen besonderen Nutzen von der steuerlichen Förderung haben – wenn nicht auch hier die Großindustrie den Hauptteil der bereitgestellten Gelder abschöpft.

Vorteilhaft ist beim jetzigen Gesetzentwurf, dass sich große Forschungseinrichtungen nicht auch an diesen Mitteln, die für Unternehmen eingeplant sind, bedienen können (wie es beispielsweise bei ZIM- bzw. BMWi- und BMBF-Programmen der Fall ist).

Abzuwarten bleibt, welche Änderungen noch im Gesetzgebungsverfahren einfließen werden.

 

PFIF – Partner für Innovation & Förderung GmbH & Co. KG ist seit 21 Jahren auf die Förderberatung innovativer Projekte spezialisiert. Unsere Berater sind teilweise bereits seit 28 Jahren in der Förderung tätig. Mit einem Erfahrungswissen aus mehreren tausend Projekten unterstützen wir Unternehmen bei der optimalen Finanzierung ihrer Projekte.

Dabei entlasten wir auch die Beantragung und prüfungsgerechte Abwicklung in den Firmen. Ebenso können die Erfolgsaussichten auf Förderung und die Förderumfänge oft deutlich erhöht werden.

 

Sprechen Sie uns an, wenn Sie Unterstützung in Förderprojekten suchen

Eine Analyse ist bei uns kostenlos und selbstverständlich streng vertraulich.

Ihr Ansprechpartner: Michael Zahm

Weitere PFIF-News

Erfahren Sie immer die aktuellsten Informationen zu Fördermittel- & Finanzierungsmöglichkeiten.

Vergleich der angekündigten steuerlichen Förderung mit der ...

Welche Vor- und Nachteile hat die erwartete steuerliche Förderung von Forschung und Entwicklung im Vergleich zu den bekannten Zuschüssen?

weiterlesen

Steuerliche Forschungsförderung nimmt Hürde im Kabinett

Das Bundeskabinett stimmt neben der klassischen Projektförderung der steuerlichen Förderung von Forschungsprojekten in innovativen Unternehmen zu.

weiterlesen

Diese Webseite verwendet Cookies. Indem Sie unsere Website nutzen, stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu.